In unserem Alltag müssen wir uns manchmal mit Nachdruck Gehör verschaffen um unsere Ziele zu erreichen. Wer zu leise und still ist, läuft Gefahr nicht wahrgenommen zu werden - ob in der Schule, im Job oder privaten Bereich. Wenn wir flüstern dann um nur einem bestimmten Empfänger eine Information zukommen zu lassen, die sonst keiner wissen soll.
Die uns umgebenden Signale sind ebenfalls häufig mit lauten Tönen verbunden, wobei die Lautstärke mit der Wichtigkeit korreliert. In der Natur ist das allerdings ganz anders: Hier werden wichtige Prozesse von Signalen gesteuert, die wir nicht einmal bemerken - dabei ist es egal, ob es sich um ein Spermium auf dem Weg zur Eizelle, eine Mücke auf Nahrungssuche oder die Liebe einer Großmutter zu ihren Enkeln handelt.
Freitag, 30. Oktober 2009
Die Macht der leisen Signale
Von der Vorliebe menschlicher Samen für einen Maiglöckchen-ähnlichen Duft haben Sie sicher bereits gehört oder gelesen, denn bereits 2003 veröffentlichten Bochumer Forscher ihre Entdeckung der Riechrezeptoren in Spermien. Eine Zelle, die durch Duftmoleküle angeregt ihre Bewegung anpasst mag uns heute nicht mehr wirklich verblüffen. Ein Molekül trifft auf den passenden Rezeptor, ein paar Ionen wandern herum und lösen eine Reaktion der Zelle aus - im kleinen Maßstab ist eben alles Chemie.
Wie sieht es mit ganzen Individuen aus?
Forscher des Honorary Maeda-Duffey Laboratory (Department of Entomology) an der University of California in Davis fanden kürzlich heraus, warum Mücken, die sich hauptsächlich von Vogelblut ernähren, auf Menschen umsteigen sobald ihr Lieblingswirt abwandert: Auch hier handelt es sich wieder um einen Duftstoff, der sowohl von Vögeln wie auch von Menschen abgesondert wird - Nonanal (dieses Aldehyd besitzt einen blumig-rosenhaften, citrusartigen Geruch, den Sie an sich wahrscheinlich noch nicht wahrgenommen haben außer bei der Verwendung eines Mückenabwehrmittels mit ätherischen Ölen, denn darin ist Nonanal oft zu finden).
Viele Tiere finden ihre Beute über den Geruchssinn, warum sollte dies nicht ebenso bei Mücken der Fall sein? Eigentlich ist das doch auch nichts besonderes.
Was aber wenn wir Menschen unbewusst gesteuert werden, noch dazu in einem Bereich in dem wir uns für unmanipulierbar halten?
“Oma hat mich lieber als dich!”
Das Team um die Anthropologin Leslie Knapp der Universität Cambridge deckte auf, dass es einen Zusammenhang zwischen der Kindersterblichkeit bei Anwesenheit einer Großmutter und dem Prozentsatz an weitergegebenen Genen gibt - Omas haben taktisch gewählte Lieblingsenkel soweit es ihren evolutionären Vorteil betrifft.
Die Forscher sammelten und untersuchten Daten von Familien aus verschiedenen Regionen und Zeiten. Dabei stellte sich heraus, dass Mädchen häufiger überleben als ihre Brüder wenn sich die Großmutter väterlicherseits um sie kümmert - die Oma mütterlicherseits hingegen bringt beiden Geschlechtern gleich gute Überlebenschancen. Diese Verteilung deckt sich mit der Weitergabe der X-Chromosomen: Enkelsöhne erhalten ihr einziges X-Chromosom immer von der Mutter, der Vater gibt sein X-Chromosom nur an seine Töchter weiter - für die Oma väterlicherseits ist es also durchaus vorteilhafter, wenn die Enkelin überlebt. Mütterlicherseits werden beide X-Chromosomen mit der selben Wahrscheinlichkeit vererbt, es ergeben sich somit auch keine Vorteile für ein Geschlecht.
Auch hierfür scheint es also ein Signal zu geben, das Frauen sagt, welche Enkel sie eher umsorgen müssen - was es genau ist muss allerdings noch erforscht werden. Denkbar wäre wie in den vorangegangenen Beispielen ein Duftstoff oder ein Pheromon. Allesamt schwache Signale, die wir nur unbewusst wahrnehmen – aber vielleicht liegt ihre Stärke gerade darin, dass man sie nicht bewusst überhören kann.
Quellen:
- Düfte locken Spermien zum Ei (Presseinfo Ruhr-Universität Bochum) - http://www.pm.ruhr-uni-bochum.de/pm2003/msg00090.htm
- Acute olfactory response of Culex mosquitoes to a human- and bird-derived attractant - doi: 10.1073/pnas.0906932106
- To Mosquitoes, We Smell Like Bird - http://sciencenow.sciencemag.org/cgi/content/full/2009/1027/1
- Grandma plays favourites: X-chromosome relatedness and sex-specific childhood mortality - doi: 10.1098/rspb.2009.1660
- Grandma Plays Favorites - http://sciencenow.sciencemag.org/cgi/content/full/2009/1028/1
Wer sich jetzt fragt, warum ich euch auf einmal sieze - ich hatte doch eine Schreibprobe versprochen.











